Was du über Alzheimer Demenz wissen solltest

Die Alzheimer-Krankheit auch bekannt als Alzheimer-Demenz bzw. Morbus Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung (Untergang der Nervenzellen), welche am häufigsten bei Personen ab dem 65. Lebensjahr auftritt.
 
Das durchschnittliche Lebensalter für Frauen und Männer erhöht sich bundesweit gemäß der demografischen Entwicklung kontinuierlich. Neben diesem erfreulichen Phänomen steigt die Anzahl der an Alzheimer-Demenz erkrankten Menschen ebenfalls an, bisher leiden in Deutschland ungefähr 1,8 Millionen Menschen an Demenz, wovon ungefähr 60% an Alzheimer leiden.
 
Die Alzheimer-Demenz wurde erstmal im Jahr 1906 diagnostiziert als Alois Alzheimer im Gehirn einer verstorbenen Frau charakteristische Veränderungen festgestellt hat.

Definition

Die Alzheimer-Krankheit wird als Morbus Alzheimer oder Demenz vom Typ Alzheimer bezeichnet und ist auch unter Alzheimer Erkrankung sowie Alzheimer Demenz bekannt. Der Name Alzheimer stammt von dem Arzt Alois Alzheimer der im Jahr 1906 erstmals eine Erkrankung der Hirnrinde entdeckte.
 
Morbus Alzheimer ist eine unheilbare und fortschreitende hirnorganische Erkrankung, welche durch den konstanten Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, sowie einer Persönlichkeitsveränderung, die den normalen Altersprozess weit überschreiten gekennzeichnet wird.
 
Dabei werden in einem längeren Prozess fortlaufend Nervenzellen des Gehirns beeinträchtigt. Die erforderliche Versorgung der Gehirnzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff wird durch spezielle Eiweißablagerungen reduziert. Mit einem Anteil von 60% aller Fälle ist Alzheimer die häufigste Form der über 50 verschiedenen Demenzerkrankungen.
 
Alzheimer Demenz - Diagramm

Häufigkeit

In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen an Demenz, davon sind 60% von Alzheimer betroffen. Bis 2050 wird, mit einem Anstieg auf bis zu 3 Millionen gerechnet. Die Mehrzahl der Betroffenen sind Frauen, da die Lebenserwartung im Durchschnitt höher als bei Männern ist.
 
  • 2% der 65-69 Jährigen sind betroffen.
  • 3% der 70-74 Jährigen sind betroffen.
  • 6% der 75-79 Jährigen sind betroffen.
  • 20% der über 80 Jährigen sind betroffen.

Symptome

Mit der Alzheimer Demenz werden oft Symptome wie Vergesslichkeit verbunden, allerdings hängt es nicht nur von der Veränderung im Gehirn ab wie der Mensch mit Alzheimer umgeht, sondern auch von Persönlichkeitsveränderungen, Lebenssituation, Erfahrungen und sozialen Beziehungen.

Zu den vielfältigen Alzheimer Symptomen zählen:

  • Orientierungsschwierigkeiten
  • Gedächtnisstörungen
  • Störungen des Urteilsvermögens
  • Sprachstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Antriebslosigkeit
  • Persönlichkeitsveränderungen
 
Die Symptome einer Alzheimer-Demenz zeigen sich vielfältig und verlaufen sehr unterschiedlich, aber in den meisten Fällen verschlimmern sie sich mit zunehmender Krankheitsdauer weshalb die Betroffenen oft pflegebedürftig werden.
Alzheimer-Demenz Symptome

Woran erkenne ich Alzheimer?

Da bei einer Alzheimer-Demenz vorrangig die Nervenzellen in der Hirnrinde (Cortex) absterben, welche für die Gedächtnisleistung, die räumliche Orientierung sowie die Sprache verantwortlich sind können die ersten Anzeichen einer Alzheimer Demenz Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sein, sowie ein Verlust der Sprache.

  • Schwierigkeiten bei räumlicher Wahrnehmung
  • Sprachprobleme
  • Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses
  • Probleme bei zeitlicher und räumlicher Orientierung
  • Verlegen von Gegenständen an ungewöhnlichen Orten
  • Veränderung der Persönlichkeit
  • Rückzug aus dem sozialen Leben
  • Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen einer Alzheimer Demenz sind bisher nicht vollständig bekannt, allerdings herrscht weitgehend eine Einigkeit über mögliche Einflussfaktoren die zu einer Krankheitsentstehung führen können. Zur Entstehung einer Alzheimer-Demenz können Erbfaktoren, altersbedingte Veränderungen des Gehirns, Umwelteinflüsse sowie der persönliche Lebensstil beitragen.
 
Das Risiko einer Erkrankung liegt bei Frauen höher als bei Männern, da die Zahl der Neuerkrankungen viel höher ist und Frauen im Durchschnitt älter als Männer werden.
 

Vererbung

Diese Ursache wird als Familiäre Alzheimer Demenz bezeichnet und entsteht durch die Mutation von bisher 3 Genen identifizierten Genen (Präsenilin-1 und -2 und Amyloid-Precursor-Protein). Eine Familiäre Alzheimer Demenz betrifft ca. 5% der Betroffenen.

Das Risiko an einer Demenz zu erkranken ist Laut Experten höher, wenn ein verwandter ersten Grades bereits betroffen ist. Es wird vermutet das bei ca. 35% bereits eine Alzheimer-krankheit in engerer Verwandtschaft aufgetreten ist.

Ein Verwandter ersten Grades (Kinder oder Geschwister) trägt ein 25% höheres Erkrankungsrisiko gemessen am bundesweiten Bevölkerungsdurchschnitt. Für Verwandte zweiten Grades (Neffen oder Nichten) liegt das Risiko bei ca. 10% an Alzheimer zu erkranken. Sind mehrere Erkrankungen an Alzheimer-Demenz innerhalb der Verwandtschaft (familiäre Alzheimer-Krankheit) aufgetreten, steigt das Risiko weiter an.

 

Genetische Faktoren

Eine Verursachung der Alzheimer Demenz durch genetische Faktoren wird oft in Verbindung gebracht, aber eine zuverlässige vorhersage, wer erkrankt kann nicht gesagt werden. Bei manchen Menschen kann eine Alzheimer-krankheit bereits im jungen Alter auftreten (Präsenile Demenz). Der Anteil der durch genetische Faktoren ausgelösten Alzheimer-Demenz wird auf ca. 30% geschätzt.

Beispiele für Genetische Faktoren sind das beim Cholesterin-Stoffwechsel benötigte APOE-Gen, allerdings würde eine Genuntersuchung auf Alzheimer nicht weiterhelfen, da nicht alle Menschen die eine ungünstige APOE-Form haben auch an einer Alzheimer Demenz erkranken. Genteschnische Untersuchungen sollten nur in humangenetischen Instituten stattfinden, da die Ergebnisse oft zu Missverständnissen führen können.

 

Vorerkrankungen

Als Risikofaktoren für eine Alzheimer Demenz gelten neben den genetischen Faktoren, natürlichen Altersprozess, Oxidativen Stress und freie Radikale ebenfalls einige Vorerkrankungen:

  • Diabetes
  • dauerhafter Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Genussgifte
  • Schlaganfälle
  • hohe Cholesterinwerte
  • Schädel-Hirn Trauma
  • Down-Syndrom

Krankheitsverlauf

Die Alzheimer Demenz verläuft wie jede Demenz in Stadien die über einen längeren Zeitraum voranschreitet, beginnt eine Erkrankung bereits vor dem 65. Lebensjahr verlaufen die Stadien meist schneller als bei einem älteren Menschen. Die 3 Stadien einer Alzheimer Demenz sind:
 
  1. Leichte Demenz (Anfangsstadium)
  2. Mittelschwere Demenz (Fortschreitend)
  3. Schwere Demenz (Fortgeschritten)

 

Durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn werden Alzheimer-Patienten immer vergesslicher, verwirrter und orientierungsloser, da bei einer Alzheimer-Demenz zunächst das Kurzzeitgedächtnis betroffen ist, im späteren Verlauf ist dann auch immer mehr das Langzeitgedächtnis betroffen. Im Verlauf der Krankheit verändert sich die Persönlichkeit des Betroffenen, er erkennt nahestehende Personen nicht mehr und Teilnahmslosigkeit dominiert.Alzheimer_Gehirn_Anatomie

 

Leichte Demenz

Zum Beginn der Alzheimer-Demenz machen dem Betroffenen Probleme des Kurzzeitgedächtnisses zu schaffen. Es fällt ihm immer schwerer, sich Gesprächsinhalte zu merken oder abgelegte Gegenstände wiederzufinden. Wortfindungsstörungen führen zu längeren Gesprächs Unterbrechungen und Orientierungsschwierigkeiten treten immer häufiger auf.

Peinlichkeiten häufen sich. Um dies zu vermeiden, zieht sich der Betroffene oftmals immer stärker zurück. Erste depressive oder aggressive Stimmungen kommen auf. Seine Urteilsfähigkeit ist beeinträchtigt, aber noch vorhanden. Es kommt bereits im Frühstadium vor, dass sich die Verhaltensweise der Betroffenen verändert und es zu Angstzuständen, Wutausbrüchen und auch Scham kommt. Das Interesse an Hobbys nimmt ab wodurch starke Stimmungsschwankungen häufiger auftreten werden.

Die Symptome sind im Frühstadium nicht von Altersvergesslichkeit zu unterscheiden, da der Übergang von Alltagseinschränkungen zu einer Demenzerkrankung schleichend verläuft, allerdings werden Alltagsaufgaben immer schwerer zu bewältigen sein. Die Betroffenen sind in diesem Stadium noch weitgehend selbstständig, aber bei komplizierten Angelegenheiten wie dem Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Führen eines Bankkontos benötigen sie in den meisten Fällen Hilfe. 

In dieser Entwicklungsphase der Krankheit ist es für eine Betreuungsvollmacht noch zu früh, weshalb der Betroffene in die Entscheidungen zur Therapie und Betreuung involviert werden sollte.

 

Mittelschwere Demenz

Die Reduzierung von Gedächtnis, Denkvermögen und Orientierungsfähigkeit erfordert Unterstützung zur Alltagsbewältigung, da der Betroffene durch diese Einschränkungen nicht mehr in der Lage ist sein Leben selbstständig zu führen. Der Betroffene kann Selbstständig essen und Trinken, allerdings muss er daran erinnert oder aufgefordert werden. Selbst einfache Tätigkeiten wie Körperpflege, Kochen und Einkaufen stellen sich als Problem dar und sind nur mit Hilfe möglich.

Es treten immer mehr Verhaltensweisen wie die Herdplatte anzulassen, sich zu verlaufen, verlegen von Sachen oder unruhiges Umherlaufen. Innere Unruhe kann zu hyperaktivem Verhalten führen. Aggressive oder depressive Stimmungen und Wahnvorstellungen können wechselweise häufiger auftreten. Ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus tritt bei einer Alzheimer-Demenz oft auf.

In Mittelschweren Stadium sind viele erkrankte nicht mehr fähig vollständige Sätze zu bilden, wodurch eine Kommunikation mit dem Betroffenen erschwert wird. Die Gedächtnisleistung geht stark zurück, da lang zurückliegende Erinnerungen immer mehr verblassen, wodurch sie z.b. Namen oder ihr Lebensalter vergessen.

 

Schweres Stadium 

Im fortgeschrittenen Stadium der Alzheimer-Demenz vollzieht sich ein umfassender Verlust der geistigen Fähigkeiten, wodurch der Patient bei einfachen Alltagstätigkeiten und der Nahrungsaufnahme auf vollständige Hilfe angewiesen ist. Die Betroffenen erkennen nahestehende Personen und Gegenstände nicht mehr, die Sprachprobleme werden so groß, dass nur noch einzelne Worte gesprochen werden können, wodurch ein Gespräch fast unmöglich wird.

Der Betroffene verliert deutlich an Mobilität, dadurch sind viele nicht mehr in der Lage Bewegungsabläufe zu koordinieren. Der Mobilitätsverlust hat zur Folge, dass das Gehen ohne Hilfe nicht mehr möglich ist und die Bettlägerigkeit immer weiter zunimmt. Vielfach wird ein Rollstuhl erforderlich.

Menschen im Schweren Alzheimer Stadium verlieren die Kontrolle über Darm und Blase, wodurch sie ihren Urin- und Stuhlgang nicht mehr kontrollieren können (Inkontinenz). Zusätzliche Beschwerden können durch Schluckstörungen, Krampfanfälle und Versteifungen von Gliedmaßen auftreten.

Eine zunehmende Anfälligkeit gegen Infektionskrankheiten aufgrund der gesundheitlichen Gesamtverfassung stellt eine ernsthafte Gefahr dar, da eine Infektionskrankheit die häufigste Todesursache ist. Ein Tod nur durch die Erkrankung an Alzheimer Demenz ist nicht möglich.

 

Lebenserwartung

Die Krankheitsdauer (Lebenserwartung) eines Menschen mit Alzheimer Demenz liegt bei ungefähr 8-10 Jahren nachdem die Diagnose gestellt wurde. In Ausnahmefällen kann eine Personauch 20 Jahre mit Alzheimer weiterleben, allerdings ist ein erreichen des Endstadiums auch schon nach 3-4 Jahren möglich.

Der Grund für einen Tod durch Alzheimer im Endstadium ist die erhöhte Infektionsanfälligkeit durch das geschwächte Immunsystem der Menschen, der Tod durch Infektionskrankheiten ist die häufigste Todesursache. Da die Betroffenen meist in einem hohen Alter sind, ist das Risiko an körperlichen Krankheiten zu sterben ebenfalls erhöht.

 

Diagnose

Um einen optimalen Verlauf gewährleisten zu können ist eine frühe Diagnose wichtig, da besonders im Anfangsstadium Medikamente die Symptome lindern können. Die Diagnose für eine Alzheimer Demenz wird gestellt, sobald die typischen Symptome ein halbes Jahr erkennbar sind, da die bisherigen Untersuchungen und Test nicht vollständig sicher sind und andere Ursachen unwahrscheinlich sein müssen.

Es gilt eine voreilige Diagnose zu vermeiden, da Symptome wie Persönlichkeitsveränderungen, Vergesslichkeit und Orientierungsprobleme auch durch Vitaminmangel, Schlaganfälle, Hirnhautentzündungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten ausgelöst werden können.

Eine Diagnose wird von Fachärzten (Neurologen, Radiologe, Psychiater) gestellt, die den Patienten im Anfangsstadium empfehlen eine Gedächtnisambulanz aufzusuchen.

 

Wie wird Alzheimer diagnostiziert?

Eine Alzheimer Diagnose kann durch folgende Alzheimer Testverfahren gestellt werden:

  • Labordiagnostik
  • Bildgebende Verfahren
  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung
  • Gentests
  • Psychometrische Tests
  • Liquordiagnostik

 

Labordiagnostik

Die medizinische Labordiagnostik ist der Oberbegriff für Diagnoseverfahren unter Verwendung von Probematerial. Bei Alzheimer Patienten werden Proben von Blut und Urin genommen, um andere Erkrankungen zu entdecken/auszuschließen und diese anschließend zu behandeln.

 

Bildgebende Verfahren

Unter den Bildgebenden Verfahren werden Untersuchungsmöglichkeiten zusammengefasst die Bilddaten von Strukturen, Organen erstellen, um krankheitsbedingte Veränderungen zu diagnostizieren.

Um Alzheimer Demenz zu diagnostizieren wird hauptsächlich die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) angewendet, um Amyloid-Ablagerungen aufzuspüren. Die Positronen-Emissions-Tomografie wird nur in Verbindung mit Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) durchgeführt. In seltenen Fällen wird eine Probe des Nervenwassers in der Wirbelsäule entnommen.

 

Anamnese

Bei einer Anamnese (Vorgeschichte) wird eine professionelle Erfragung von Fachpersonal (Arzt) durchgeführt um potenziell relevante Informationen über die Krankheitsgeschichte des Menschen zu erfassen. Die Anamnese kann Fragen zu z.b. Vorerkrankungen, Sexualverhalten, Medikamenteneinnahme etc. beinhalten. Der Betroffene antwortet dabei selbst (Eigenanamnese) oder eine dritte Person (Fremdanamnese) für ihn.

 

Körperliche Untersuchungen

Um eine Alzheimer Demenz festzustellen werden körperliche Untersuchungen durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen. Es werden Blutdruck und Puls auf mögliche Anzeichen für Herzkrankheiten untersucht, sowie die Lungenfunktion und Sinnesfähigkeiten. Weitere Methoden sind Tast- und Klopf Untersuchungen und Abhorchen.

 

Gentests

Ein Gentest wird durchgeführt um herauszufinden, ob die Krankheit durch Vererbung ausgelöst worden ist. Eine Gentechnische Erkrankung ist sehr selten und betrifft nur 1% der Menschen mit Alzheimer-Demenz.

 

Psychometrische Tests

Bei diesem Verfahren werden dem Betroffenen Fragen und kleine Aufgaben gestellt um zu bestimmen in welchem Stadium der Patient sich befindet. Der Test dauert ca. 15 Minuten und überprüft die Sprachfähigkeit, Urteilsvermögen und die Leistung des Kurzzeitgedächtnisses.

Weitere Testverfahren können die Schwere der Alzheimer-krankheit eingrenzen, dazu zählen der DemTect-Test, Uhrentest oder der Mini-Mental-Satus Test.

 

Liquordiagnostik

Bei einer Liquoruntersuchung entnimmt der Arzt eine Probe des Nervenwasser (Liquor) welches die Nervenzellen im Zentralen-Nervensystem (ZNS) umspült. Das Nervenwasser schützt das Rückenmark und Gehirn und ist ständig in Kontakt mit den sich dort befindenden Nervenzellen, wodurch sich krankhafte Veränderungen des Gehirngewebes feststellen lassen.

 

Therapie & Behandlung

Da die Alzheimer Demenz eine unheilbare Krankheit ist, gibt es noch keine wirklichen Therapie- und Behandlungsmaßnahmen, allerdings lassen sich die Kernsymptome und die Verhaltensänderungen (depressiv und aggressiv) durch den Einsatz von Medikamenten hinauszögern.

Die Therapiemaßnahmen können medikamentös oder nicht medikamentös ablaufen, wobei die Art und Dauer zusammen mit dem Betroffenen und Ärzten getroffen wird. Dabei wird die Lebenssituation, Bedürfnisse und das Stadium der Alzheimer-krankheit berücksichtigt. 

Beide Behandlungsarten haben das Ziel:

  • Förderung der Lebensqualität und Lebensdauer
  • Angehörige zu entlasten
  • Selbstständigkeit und Alltagskompetenz erhalten
  • Kernsymptome und Verhaltensänderungen lindern

 

Medikamentöse Behandlung

Da die Alzheimer Demenz nicht heilbar ist, zielt eine Therapie mit speziellen Medikamenten vorrangig darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und zusätzliche gesundheitliche Schäden zu verhindern, damit die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit längst möglich stabilisiert wird.

Eine medikamentöse Therapie wird meist im leichten und mittlerem Stadium durchgeführt, da besonders bei älteren Personen im schweren Stadium häufig Nebenwirkungen auftreten. Es werden in vielen Fällen auftretende Begleitbeschwerden wie Depressionen, Schlafstörungen und Unruhe behandelt.

 

Antidementiva (Cholinesterasehemmer)

Bei der Alzheimer-krankheit wird der Botenstoff Acetylcholin nicht mehr ausreichend produziert, wodurch die Konzentration und Orientierung nicht mehr möglich ist, da Acetylcholin für die Signalübertragung im Gehirn zuständig ist. Einen Mangel an Acetylcholin kann im Anfangsstadium (Leichte Demenz) und Mittleren Stadium (Mittelschwere Demenz) über einige Zeit ausgeglichen werden.

Um das für den Abbau von Acetylcholin zuständige Enzym (Acetylcholinesterase) zu hemmen werden Acetylcholinesterasehemmer eingesetzt.

Acetylcholinesterasehemmer:

  • Galantamin
  • Rivastigmin
  • Donepezil

Durch die Therapie mit Acetylcholinesterasehemmern bleiben Alzheimer Patienten Fähigkeiten wie Denken, Lernen, Wahrnehmung und das Erledigen von alltäglichen Dingen weiterhin erhalten.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Appetitlosigkeit

 

Memantin

Ist die Alzheimer Demenz bereits im mittelschweren oder schweren Stadium wird eine Behandlung mit Memantin angewendet. Der Wirkstoff Memantin beeinflusst den Botenstoff Glutamat, welcher die Nervensignale weiterleitet und unverzichtbar für den Gedächtnisvorgang ist. Bei einer Erkrankung an Alzheimer ist der Glutamatspiegel sehr hoch, wodurch die Nervenzellen im Gehirn durch einen Glutamat Überschuss beschädigt oder sogar absterben.

Durch die Therapie mit Memantin wird eine Schädigung der Nervenzellen vorgebeugt und ermöglicht die Lern- und Gedächtnisleistungen aufrechtzuerhalten. Bei ca. 15% der Betroffenen können alltägliche Aufgaben wie anziehen oder Körper Hygiene länger selbständig ausgeführt werden.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Unruhe
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen

 

Ginkgo biloba

Aus dem Ginkgo-biloba Baum können pflanzliche Präparate gewonnen werden, die eine schützende Wirkung auf die Nervenzellen haben und die Durchblutung fördern. Durch die gute Verträglichkeit treten insgesamt kaum Nebenwirkungen auf.

Alzheimer-Patienten die sich im Stadium der Leichten oder mittelschweren Alzheimer Demenz befinden können Alltagsaufgaben wieder besser bewältigen, wenn sie eine tägliche Dosierung von 240 mg Ginkgo  Präparaten einnehmen. Durch eine regelmäßige Einnahme von Ginkgo können psychische Beschwerden (z.b. Depressionen) gelindert werden und eine Verbesserung des Gedächtnisses bewirken.

Es können Nebenwirkungen wie Kopf- und Magenschmerzen auftreten, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht auszuschließen.

 

Weitere Medikamente

Da sich die Persönlichkeit und Verhaltensweisen bei vielen Betroffenen von Alzheimer-Demenz stark verändern können vermehrt aggressive, ängstliche oder passive Verhaltensweisen auftreten.

Verhaltensänderungen können durch die Einschränkungen der Alzheimer-Demenz entstehen oder direkt mit der Krankheit in Verbindung stehen, zudem ist das Risiko an Depressionen und Schlafstörungen zu leiden bei Alzheimer Patienten höher. Körperliche Schmerzen können bei der Therapie ebenfalls eine Rolle spielen, da diese oft die Ursache für Unruhe sind.

Um die psychischen Beschwerden einzudämmen, nehmen viele Betroffene Medikamente ein: 

  • Antidepressiva
  • Antipsychotika
  • Beruhigungsmittel
  • Psychopharmaka

 

Nicht-medikamentöse Behandlung

Durch nicht-medikamentöse Behandlungsformen sollen vorhandene kognitive Fähigkeiten und die Teilnahme am sozialen Leben bewahrt werden. Um den Alltag weiterhin lebenswert zu gestalten werden Verhaltenstherapien, Gedächtnis- oder Orientierungsübungen, Musiktherapien und Ergotherapien angewendet.

Diese Therapieformen werden Verhaltensweisen wie Reizbarkeit oder Unruhe reduzieren und das Wohlbefinden stabilisieren, da sich die Körperliche und geistige Fitness verbessern wird. Welche Therapie angewendet wird, hängt von Verhaltensweisen, Lebensgeschichte, Verlaufsstadium und den auftretenden Beschwerden ab und sollten den Betroffenen nicht überfordern.

 

Körperliche und Psychosoziale Therapie

Durch die Erhaltung von sozialen Aktivitäten kann die Lebensqualität des Alzheimer Patienten und der Angehörigen verbessert werden, da so weniger Betreuung nötig ist und der Apathie des Betroffenen entgegengewirkt werden kann.

  • Gemeinsames Essen
  • Briefe schreiben
  • Diskussionsgruppen

 

Neben den sozialen Aktivitäten soll man Menschen mit Alzheimer-Demenz ermöglichen an körperlichen Aktivitäten teilzunehmen, da es für Alzheimer Patienten gesundheitliche Vorteile hat und folgen wie Bettlägerigkeit verzögern oder vermeiden kann.

Um die Selbstständigkeit im Alltag und Mobilität zu bewahren kann an einer Ergotherapie teilgenommen werden um Kraft, Ausdauer und Koordination durch Gymnastische Übungen zu verbessern, damit die Sturzgefahr verringert wird. Die Ergotherapie dauert ungefähr 45-60 Minuten und sollte 3x pro Woche stattfinden.

Die sportlichen Aktivitäten sollten sich dem Zustand des Betroffenen anpassen, da Bewegung auch zu Verletzungen und Überforderung des Betroffenen führen kann.

 

Kognitive Therapie

Eine kognitive Therapie wird häufig bei Menschen mit Leichter oder mittelschwerer Demenz angewendet, da die Alzheimer-Krankheit in diesen Stadien noch nicht zu weit fortgeschritten ist und in Gruppen oder in Einzel Betreuung mit einer Dauer von ungefähr 60 Minuten angeboten.

Durch ein Gedächtnistraining soll das Denken, Erinnerungsvermögen, Merkfähigkeit und die Konzentrationsfähigkeit trainiert werden:

  • Rechenaufgaben
  • Zahlenreihen vervollständigen
  • Puzzles
  • Bilder wiedererkennen
  • Wortspiele

 

Die Verhaltenstherapie zielt auf das Erlernen von praktischen Problemlösungstechniken zur Alltagsbewältigung wie das Ernähren, Ankleiden oder Körperpflege durch Belohnungs Techniken ab.

Bei dem Realitäts-Orientierungs-Training (ROT) wird angewendet, damit die zeitliche und räumliche Orientierung verbessert wird. Bei diesem Verfahren werden Menschen mit Alzheimer grundlegende Informationen durch  Gespräche und Orientierungshilfen​ in der Wohnung vermittelt:

  • Namen: Namensschilder
  • Datum: Kalender
  • Uhrzeit: Uhr

 

Die kognitive Therapie muss an den Betroffenen angepasst werden, da sie auch negativ verlaufen kann, wenn der Betroffene beim Lösen der Aufgaben wiederholt scheitert und überfordert wird, kann es sehr deprimierend sein.

Eine kognitive Behandlung kann das Wohlbefinden und die geistige Leistungsfähigkeit von Alzheimer Patienten verbessern, ob die Stimmung und Selbstständigkeit von Menschen mit Alzheimer-Demenz verbessert wird ist allerdings unklar.

 

Emotionsorientierte Therapie

Eine Emotionsorientierte Therapie setzt an den Erfahrungen, Gefühlen und Werten der Betroffenen an um die Lebensqualität zu verbessern.

Die Reminiszenz Therapie ist eine Emotionsorientierte Therapie, die auf die Erinnerungen des Betroffenen abzielt und dessen kognitiven Fähigkeiten fördert, Lebensqualität verbessert und Folgeerkrankungen wie Depressionen mildert.

Der Alzheimer-Patient hat die Möglichkeit in Einzel- oder Gruppengesprächen von der Schulzeit, Reisen, Arbeit oder Erlebnissen zu erzählen. Eine Reminiszenz Therapie wirkt sich fördernd auf die geistige Leistung und die Stimmung von Menschen mit Alzheimer aus.

Bei der Validationstherapie  wird dem Demenzkranken durch erlernte Gesprächstechniken der Pfleger ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Verständnis vermittelt. Das Ziel ist es den Betroffenen nicht nach den Verhaltensweisen oder Gefühlsausbrüchen zu beurteilen, sondern ihn vorbehaltlos zu akzeptieren.

 

Ernährung

Experten vermuten, dass eine mediterrane Diät (Mittelmeerküche) die Alzheimer-Krankheit vorbeugt/verlangsamt und sich positiv auf die Gedächtnisleistung auswirkt. Zu den mediterranen Lebensmitteln zählen:

  • Gemüse
  • Obst
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Olivenöl
  • Geflügel
  • Vollkornprodukte
  • Fisch

Viele Nahrungsergänzungsmittel wie z. B. Fischöl-Kapseln (Omega-3-Fettsäuren) werden als Hilfe gegen Alzheimer beworben, allerdings hat die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren keinen Einfluss auf Alzheimer und verbessert die geistige Leistungsfähigkeit auch nicht.

 

Angehörigenschulung

Die zunehmende Hilfsbedürftigkeit von Menschen mit Alzheimer-Demenz stellt eine große Herausforderung für die Angehörigen dar. Durch Schulungen mit anderen Angehörigen wird vermittelt, wie sie die Alzheimer-krankheit besser verstehen können und den Betroffenen helfen ihre geistigen Fähigkeiten länger zu erhalten.

Durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Angehörigen können herausfordernde Verhaltensweisen wie Unruhe oder Aggressivität seltener vorkommen und besser umgegangen werden. Das Wohlbefinden der Alzheimer Patienten wird durch geschulte angehörige gesteigert, wodurch den herausfordernden Verhaltensweisen ebenfalls positiv entgegengewirkt wird.

Als Angehöriger ist es wichtig Unterstützung bei der Pflege zu bekommen, um den Pflege Umständen gewachsen zu sein. Die Pflege durch Angehörige ermöglicht den Betroffenen in der gewohnten Umgebung zu bleiben und von nahestehenden Personen versorgt zu werden, wodurch der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst wird. 

 

Weitere Behandlungsmethoden

Um dem Verlauf der Alzheimer-Demenz positiv entgegenzuwirken werden weitere Methoden ohne den Einsatz von Medikamenten angeboten:

  • Musiktherapie
  • Tiertherapie
  • Kunsttherapie
  • Aromatherapie

 

Vorsorgemaßnahmen

Als allgemeine Vorsorgemaßnahmen gegen eine Erkrankung an Alzheimer-Demenz kommen einige Verhaltensweisen und Einstellungen in Betracht:

  • Ausgewogene Ernährung
  • Körperliche und geistige Aktivität
  • Risikofaktoren vermeiden/behandeln
  • Positive Lebenseinstellung und soziale Kontakte 
  • Genussgifte vermeiden (Alkohol, Nikotin)
  • Stress vorbeugen
  • Angenehme Tagesstruktur

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