Alzheimer Demenz: Verlauf, Symptome und Therapieformen

 
 
Das durchschnittliche Lebensalter für Frauen und Männer erhöht sich bundesweit gemäß der demografischen Entwicklung kontinuierlich. Neben diesem erfreulichen Phänomen steigt die Anzahl der an Alzheimer erkrankten Menschen ebenfalls an.

Diese überwiegend im Alter auftretende Erkrankung verursacht einen hohen Handlungsbedarf an Betreuungs- und Pflegemaßnahmen. In der Gesellschaft. Forschung, Medizin und Politik besitzt dieses Thema einen hohen Stellenwert.

Nicht zuletzt möchten immer mehr Betroffene und Angehörige Informationen rund um die Alzheimer Demenz haben. Grund genug, diese einmal ausführlich darzustellen.


Das Wesen und die Auswirkungen der Erkrankung



Alzheimer DemenzAlzheimer ist eine nicht heilbare hirnorganische Erkrankung. Dabei werden in einem längeren Prozess fortlaufend Nervenzellen des Gehirns beeinträchtigt. Die erforderliche Versorgung der Gehirnzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff wird durch spezielle Eiweißablagerungen reduziert.

Als Folge wird die Hirnleistungsfähigkeit zunehmend geringer. Das Alltagsleben der Betroffenen wird mit zunehmendem Krankheitsverlauf immer stärker eingeschränkt. Die Krankheit ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und erfordert in den späten Stadien verstärkt Unterstützung und Hilfe.

Der Hirnschrumpfungsprozess durch die Schädigung der Nervenzellen kann durch bildgebende Untersuchungsverfahren deutlich dargestellt werden. Der gestörte Informationstransport zum Gehirn macht sich durch eine Zunahme typischer Anzeichen bemerkbar.

Dazu zählen: 

Orientierungsschwierigkeiten: Ziele in der unmittelbaren Umgebung und der kurze Weg von dort nach Hause gestalten sich als Problem 

Störungen des Denk-, Urteils- und Erinnerungsvermögensvermögens: Häufiges Vergessen von Namen, Terminen und Telefonnummern. Verlegte wichtige Gegenstände wie Schlüssel, Geldbörse oder Brille werden nur noch per Zufall wiedergefunden. Das Lösen einfacher Rechenaufgaben ist kaum noch möglich 

Sprachstörungen: Während des Sprechens finden oft auffällige Pausen statt, weil offensichtlich nach bestimmten Wörtern gesucht wird 

Stimmungsschwankungen: Es können verstärkt aggressive oder depressive Verhaltensweisen auftreten 

Antriebslosigkeit: Passivität und Teilnahmslosigkeit nehmen im Alltag zu 

Persönlichkeitsveränderungen nehmen immer mehr zu



Mögliche Ursachen und Risikofaktoren



Zur Entstehung einer Alzheimer Demenz können Erbfaktoren, altersbedingte Veränderungen des Gehirns, Umwelteinflüsse sowie der persönliche Lebensstil oder Umwelteinflüsse beitragen.

Ein Verwandter ersten Grades trägt ein vierfach höheres Erkrankungsrisiko gemessen am bundesweiten Bevölkerungsdurchschnitt. Für Verwandte zweiten Grades ist das Risiko noch doppelt so groß. Sind mehrere Alzheimer-Erkrankungen innerhalb der Verwandtschaft aufgetreten, steigt das Risiko weiter an.

Dies gilt auch für einen sehr frühen Krankheitsbeginn der verwandtschaftlichen Bezugsperson. Ein höheres Lebensalter begünstigt ebenfalls eine Erkrankung an Alzheimer Demenz. Oxidativer Stress und freie Radikale gelten als eindeutige Risiken.

Außerdem erhöhen eine Erkrankung an Diabetes und ein dauerhafter Bluthochdruck das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung. Grund ist die schädliche Auswirkung auf die Blutgefäße.

Daher können auch Übergewicht und Genussgifte aufgrund ihrer gefäßschädigenden Wirkung zur Erkrankung beitragen.



Der Krankheitsverlauf



Durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn werden Alzheimer-Patienten immer vergesslicher, verwirrter und orientierungsloser. Zahlreiche Betroffene leiden unter einer starken Unruhe.

Die Persönlichkeit verändert sich, Teilnahmslosigkeit dominiert und nahestehende Personen werden nicht mehr erkannt. Ebenso können zeitweise Aggressionen auftreten. Der Krankheitsverlauf wird nach der Schwere der Erkrankung in drei Phasen eingeteilt.



Leichtgradige Demenz



Zum Beginn der Erkrankung machen dem Patienten Probleme des Kurzzeitgedächtnisses zu schaffen. Es fällt ihm immer schwerer, sich Gesprächsinhalte zu merken oder abgelegte Gegenstände wiederzufinden. 

Wortfindungsstörungen führen zu längeren Gesprächs Unterbrechungen. Zur  kommen Orientierungsschwierigkeiten hinzu. Das Bewusstsein dieser Defizite irritiert und verwirrt den Erkrankten.

Peinlichkeiten häufen sich. Um dies zu vermeiden, zieht sich der Betroffene oftmals immer stärker zurück. Erste depressive oder aggressive Stimmungen kommen auf. Seine Urteilsfähigkeit ist beeinträchtigt, aber noch vorhanden.

In dieser Entwicklungsphase der Krankheit ist es für eine Betreuungsvollmacht noch zu früh.



Mittelschwere Demenz



Die Reduzierung von Gedächtnis, Denk- und Orientierungsfähigkeit erfordert Unterstützung zur Alltagsbewältigung. Der Betroffene kann sein Leben nicht mehr selbstständig führen. Selbst einfache Tätigkeiten wie Körperpflege und Einkaufen stellen sich als Problem dar.

Der Verlust von Fähigkeiten, Geräte zu bedienen sowie die stärkere Vergesslichkeit in allen Lebenssituationen können Gefahren hervorrufen. Die Kommunikation funktioniert kaum noch und wird anstrengend.

Innere Unruhe kann zu hyperaktivem Verhalten führen. Aggressive oder depressive Stimmungen können wechselweise häufiger auftreten. Wahnvorstellungen sind möglich.



Schweres Stadium



Im fortgeschrittenen Stadium vollzieht sich ein umfassender Verlust der geistigen Fähigkeiten. Von der Sprache sind nur noch einzelne Worte übrig geblieben. Der Patient ist vollständig auf Hilfe angewiesen.

Er verliert deutlich an Mobilität sowie die Kontrolle über Stuhl und Urin. Bettlägerigkeit nimmt ebenso zu. Vielfach wird ein Rollstuhl erforderlich. Zusätzliche Beschwerden können durch Schluckstörungen und Versteifungen von Gliedmaßen auftreten.

Es kann zu Krampfanfällen kommen. Eine zunehmende Anfälligkeit gegen Infektionskrankheiten aufgrund der gesundheitlichen Gesamtverfassung stellt eine ernsthafte Gefahr dar.



Ratschläge für Betroffene nach der Feststellung einer Alzheimer-Erkrankung



Durch die ärztlichen Diagnose nach einem Alzheimer Test und der Mitteilung der Erkrankung erlebt der Betroffene eine völlig neue Lebenssituation. Seine Urteils- und Denkfähigkeit ist zu diesem Zeitpunkt erst wenig eingeschränkt.

Er sollte sich in dieser ersten Phase auf die Veränderungen seiner Fähigkeiten einstellen. Er kann sich intensiv über den Krankheitsverlauf informieren. Dies gilt auch für Lebenspartner und die nächsten Angehörigen, mit denen er seine Wünsche und Ängste besprechen sollte.

Der Wunsch nach einer Reise oder einem Hobby sollte nach Möglichkeit erfüllt werden. Resignation und Passivität wären die schlechtesten Einstellungen und Reaktionen und sollten in jedem Fall vermieden werden.

Eine Tagesstruktur, Termineintragungen in einen Kalender und die Beibehaltung angenehmer Gewohnheiten verleihen Sicherheitund sorgen für Wohlbefinden. Kleine, praktische Hilfen unterstützen dieses Ziel.

Dazu zählen Erinnerungszettel an geeigneten Stellen wie „Ofen ausgeschaltet?“ oder „Beim Verlassen des Hauses an Schlüssel denken“. Bei seinen sozialen Bindungen sollte der Patient einen offenen Umgang mit der Erkrankung pflegen.

Die Chancen sind dabei größer als die Risiken. Dadurch wird Mutmaßungen, Missverständnissen und Peinlichkeiten vorgebeugt und Verständnis geschaffen. In der Regel sind die Reaktionen der informierten Personen hilfreich und ermutigend.



Empfehlungen zum Umgang mit Erkrankten, Behandlungs- und Vorsorgemöglichkeiten



Nachlassende Eigenständigkeit, Leistungsfähigkeit und Gefühlsveränderungen können bei der erkrankten Person eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bewirken. Es können sowohl depressive als auch aggressive Verhaltensweisen auftreten.

Auf diese krankheitsbedingten Veränderungen sollte mit sehr viel Rücksicht, Verständnis und Geduld reagiert werden. Ein liebevoller Umgang ist besonders wichtig. Kritische Hinweise auf ein Fehlverhalten sollten vermieden werden.

Dadurch entstehen nur Verstimmungen, Ängste und Vertrauensverluste. Nervenaufreibende Diskussionen sollten ausnahmslos unterbleiben. Hauptsächliches Umgangsziel ist die Erhaltung der notwendigen Kommunikation. Dazu kann das gesprochene Wort zusätzlich mit verständlicher Gestik und Mimik unterstützt werden.



Medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieformen



Eine Erkrankung an Alzheimer ist nicht heilbar. Eine Behandlung der Alzheimer Symptome und des Verlaufs ist jedoch medikamentös und nicht-medikamentös möglich. Eine Therapie mit speziellen Medikamenten zielt vorrangig darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und zusätzliche gesundheitliche Schäden zu verhindern.

Die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit soll möglichst lange stabilisiert werden. Medikamente zur Behandlung von Symptomen einer Alzheimer Demenz können individuell sehr unterschiedlich sein. Dadurch werden in vielen Fällen Depressionen, Schlafstörungen und Unruhe behandelt.

Bei der dem Krankheitsverlauf angepassten medikamentösen Behandlung ist verstärkt in höherem Alter auf Nebenwirklungen zu achten. Durch nicht-medikamentöse Behandlungsformen sollen kognitive Fähigkeiten zur Aufrechterhaltung regelmäßig trainiert werden.

Durch Beiträge des Betroffenen zur körperlichen und geistigen Fitness sollen Alltagsfähigkeiten und Wohlbefinden stabilisiert werden. Dadurch kann auch schwieriges Verhalten wie Reizbarkeit oder Unruhe reduziert werden.

Zu diesen Behandlungsmaßnahmen zählen: 

Verhaltenstherapie: Sie erhält möglichst lange die Selbstständigkeit zum Ankleiden, Ernähren sowie der Körperpflege durch Belohnungstechniken. Erlernen einfacher, praktischer Problemlösungstechniken zur Alltagsbewältigung 

Gedächtnistraining/Erinnerungstherapie: Denken, Erinnerungsvermögen und Merkfähigkeit sowie die Konzentrationsfähigkeit sollen trainiert werden 

Musiktherapie: Musik, insbesondere persönlich bekannte Musik, wirkt ansprechend freundlich und besonders gefühlsbetont. Musik für Gruppen schafft eine hervorragende Gelegenheit für soziale Kontakte 

Ergotherapie: Gymnastische Übungen sorgen für Ausdauer, Kraft und Koordination. Dadurch werden die Bewegungen sicherer und die Sturzgefahr verringert 

Kunsttherapie: Fördert kreative Aktivität und das Selbstbewusstsein 

Erinnerungstherapie: Mit Bewegung von positiven Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis zur Stimmungsverbesserung



Mögliche Vorsorgemaßnahmen



Als allgemeine Vorsorgemaßnahmen gegen eine Erkrankung an Alzheimer kommen einige Verhaltensweisen und Einstellungen in Betracht. Dazu zählen eine gesunde, ausgewogene Ernährung, ausreichende körperliche Bewegung sowie geistige Aktivität.

Zur Vermeidung von Risikofaktoren sollten Übergewicht und Stressvermieden werden. Dazu sind eine ausgeglichene, positive Lebenseinstellung und soziale Kontakte hilfreich.

Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Cholesterinwerte und Herzrhythmusstörungen sollten als Risikofaktoren für eine Alzheimer-Erkrankung behandelt werden.

Zur Feststellung, ob diese Erkrankungen vorliegen, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ratsam. Bei Anzeichen auf eine Alzheimer-Erkrankung sollte zeitnah ein Alzheimer Test durchgeführt werden.

Krankheitsfördernde Genussgifte wie Nikotin und Alkohol sollten gemieden werden. Alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Durchblutung sind empfehlenswert. Weitere Informationen zum wichtigen Thema Alzheimer sind in unserem Blog zu finden.

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