Frontotemporale Demenz

Die Frontotemporale Demenz (FTD) auch bekannt als Pick-Krankheit bzw. Morbus Pick ist eine äußerst seltene Form unter den Demenzerkrankungen. Studien haben ergeben, dass sie lediglich 5-10% aller Fälle ausmacht. Gekennzeichnet ist sie durch eine Neurodegeneration, einem Untergang von Nervenzellen.
 
Frontotemporale Demenz

Definition

Frontotemporale Demenz tritt durch die Neurodegeneration in den Stirn- beziehungsweise Frontallappen des Gehirns auf. Zusätzlich sind die Schläfenlappen, die sogenannten Temporallappen, betroffen. Das Sozialverhalten und die Emotionen werden von diesen Gehirnarealen aus gesteuert, wodurch bei einer dortigen Schädigung besonders diese Eigenschaften gestört werden.

Warum es aber zu dieser Degeneration kommt, ist bis zum heutigen Tag nicht ausreichend geklärt. Offensichtlich ist, dass genetische Risikofaktoren vorliegen müssen. In 50% der Erkrankungsfälle sind auch weitere Familienmitglieder betroffen. 
 
Wissenschaftler unterscheiden die Frontotemporale Demenz in 3 Unterformen:
 
  1. Verhaltensbetonte Frontotemporale Demenz
  2. Semantische Demenz (Sprachstörung)
  3. Primär progressive Aphasie (Verlust der Sprachefähigkeit)

Symptome

Die ersten Krankheitszeichen der Frontotemporalen Demenz können, im Gegensatz zu Alzheimer, bereits im Alter von 20 Jahren auftreten. Das Erkrankungalter beträgt im Durchschnitt jedoch 50-60 Jahre.

Die Krankheitszeichen des Betroffenen sind abhängig von dem jeweiligen Gehirnteil, in dem die Schädigung der Nervenzellen auftritt. Sie gehen aber immer mit Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen einher. Die oftmals daraus entstehenden Aggressionen und unberechenbaren Situationen können das Zusammenleben zwischen dem Patienten und seinen Angehörigen enorm belasten.

Verhaltensbetonte Frontotemporale Demenz

Grundsätzlich steht bei einer FTD die Veränderung des Verhaltens im Vordergrund.
 
  • Mangelnde Konzentrationsfähigkeit
  • Müdigkeit
  • Oberflächlichkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Sozialer Rückzug
  • Verletzung sozialer Normen
  • Bettlägerigkeit
  • Mangelnde Hygiene
  • Inkontinenz
  • Maßlose Ernährung
Patienten der Pick-Krankheit zeigen oft eine unglaubliche Präferenz für süße Lebensmittel, häufig entsteht ein Heißhunger. Dem Beruf, Hobbys, Freunden und Familie wird keine allzu große Aufmerksamkeit mehr geschenkt, weshalb ein normales, gesellschaftsfähiges Verhalten oft nicht mehr möglich ist. 
 

Sprachbetonte Frontotemproale Demenz

Neben der FTD bestehen noch zwei weitere Formen der Frontotemporalen lobären Degenerationen (FTLD). Zum einen gibt es die semantische Demenz und zum anderen die primär progressive Aphasie. Alle drei Unterformen sind meist unter dem Begriff Frontotemporalen Demenz geläufig.

Die zwei Varianten neben der eigentlichen Frontotemporale Demenz machen sich vor allem durch Störungen der Sprache und dem Sprachverständnis bemerkbar.
 

Primär progressive Aphasie

Die primär progressive Aphasie führt zu einem Verlust der Sprachfähigkeit und somit der Kommunikation. Grammatikalische Fehler oder fehlerhafte Aussprache, wie zum Beispiel Stottern, können auftreten. Das Sprechen ist für die Betroffenen sehr anstrengend, wodurch es oft zu langen Pausen kommt. Neben der Sprachstörung an sich können auch Probleme mit dem Schreiben und Lesen auftreten. 
 

Semantische Demenz

Bei der semantischen Demenz treten hingegen Sprachstörungen auf. Patienten können den Sinn von Äußerungen nicht mehr verstehen. Sie leiden zudem unter Wortfindungsstörungen bei einem Rückgang des Wortschatzes.
 

Krankheitsverlauf

Eine Frontotemporale Demenz entsteht im Durchschnitt im Alter von 50-60 Jahren, allerdings ist eine Erkrankung im Alter von 20 Jahren ebenfalls möglich. Die ersten Symptome sind Antriebslosigkeit, Müdigkeit, sozialer Rückzug und Aggressivität.
 
Waren die FTD Patienten zu Beginn der Erkrankung außerdem oft aggressiv, kommt es im Endstadium zu einem regelrechten Verstummen. Die Betroffenen wollen und können sich ihrer Umwelt nicht mehr mitteilen, des Weiteren werden viele Erkrankte aufgrund von Bettlägerigkeit zu einem Pflegefall. Die Frontotemporale Demenz kann im Laufe der Zeit zu einer starken Gedächtnisstörung führen.
 
Auf neurologischer Basis kann die Frontotemporale Demenz in einigen Fällen mit dem Morbus Parkinson verglichen werden. Gang- und Schluckstörungen treten auch hier auf. Todesursache sind meist starke Schluckstörungen, durch die Essensreste in die Luftröhre gelangen und infolgedessen eine lebensbedrohliche Pneumonie auslösen.
 
 

Lebenserwartung

Die Krankheitsdauer (Lebenserwartung) – von den ersten Symptomen bis zum Versterben – beträgt in der Regel circa 8 Jahre. Bei jungen Menschen verringert sie sich oftmals noch um ein paar Jahre. Teilweise sind aber auch Patienten bekannt, die bis zu 15-20 Jahre mit der Frontotemporalen Demenz (FTD) gelebt haben.
 
 

Diagnoseverfahren

Bis die an Frontotemporale Demenz erkrankten Personen ihre Diagnose erhalten, kann es teilweise eine Zeit lang dauern, da die Symptome gerade zu Beginn nicht eindeutig sind und oft mit denen von psychischen Krankheiten verwechselt werden. Schizophrenie, Manie oder Depressionen können ähnliche Reaktionen im Menschen hervorrufen. 

Bei einem genaueren Verdacht werden zunächst Tests der Psychologie bezüglich der Sprache und des Denkvermögens durchgeführt. Außerdem ist bei der Diagnosestellung dieser Demenz die Familie meist eine ganz besonders große Hilfe. Sie kennen ihren Angehörigen ein Leben lang, weshalb ihnen mögliche Verhaltensänderungen rasch auffallen. 
Computertomografie
Bis zum heutigen Tag besteht keine Möglichkeit die Frontotemporale Demenz im Blut festzustellen. Eiweiße, die im Liquor der Rückenmarks Flüssigkeit gefunden werden, können hingegen diagnostisch hilfreich sein. 

Am deutlichsten wird diese Demenzerkrankung bei einer Magnetresonanz-, einer Positronen-Emissions- oder einer Computertomografie erkannt. Bei diesen Verfahren können Rückgänge der Frontal- und Temporallappen entdeckt werden, die Rückschluss auf eine Frontotemporale Demenz geben.
 
 

Therapiemöglichkeiten

Aufgrund der Tatsache, dass die Frontotemproale Demenz nicht heilbar ist, wird bei der Behandlung vielmehr das Ziel angestrebt, den Betroffenen und Angehörigen das Leben zu erleichtern. Es wird versucht mit geeigneten Maßnahmen so gut wie möglich positiv auf störende Veränderungen einzuwirken. Die Art der Therapie hängt von dem jeweiligen Verhalten des Erkrankten ab und ob er sich bereits in einer Klinik befindet.

Nicht-Medikamentöse Therapie

 

Körperliche Aktivität

Befindet er sich in einer aggressiven Phase, können ihm Sportangebote wie leichtes Ausdauertraining, Wandern oder Fahrradfahren dabei helfen sich zu beruhigen. Auch Entspannungsübungen und Yoga werden erfolgreich eingesetzt.
 

Soziale Aktivitäten

Ist das Gegenteil der Fall und der Patient mit der Frontotemporalen Demenz möchte nicht mehr am Leben seiner Mitmenschen teilhaben, kann er unter anderem auf künstlerischer Ebene dazu motiviert werden.
 
Sein soziales Verhalten wird zum Beispiel durch Tanzen in einer Gruppe oder dem Spielen eines Musikinstruments gefördert.
 

Medikamentöse Therapie

Eine Behandlung mit Medikamente, die den Ursprung der Erkrankung, also die Nervenzelldegeneration, behandelt, wurde bis heute noch nicht ausreichend entwickelt. Lediglich gewisse Verhaltensstörungen können mit Pharmazeutika therapiert werden. 
 

Antidepressiva

Da die Frontotemporale Demenz teilweise einer Depression ähneln kann, hilft auch hier die Einnahme von Antidepressiva. Sie bewirken eine gesteigerte Aktivität und mehr Lebensfreude. 
 

Neuroleptika

Aggressive Ausbrüche können durch sedierende Medikamente, wie beispielsweise Neuroleptika, in den Griff gebracht werden, um das Wohl der Angehörigen und des Patienten selbst nicht zu gefährden. 

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