Woran kann ich Demenz erkennen?

 
 
Je älter wir werden, umso träger wird unser Gehirn. Das ist ein allgemein akzeptierter Fakt, den jeder über 50 sicherlich bestätigen wird. Ältere Leute brauchen für alles mehr Zeit. Sich spontan an Daten und Namen zu erinnern, fällt schwer.
 
Veränderungen werden nur unwillig akzeptiert und Neues zu erlernen stellt eine Herausforderung dar. Das alles sind normale Anzeichen, die das Älter werden naturgegeben mit sich bringt. Nicht immer aber ist nur das Älter werden am Nachlassen unserer Gedächtnisleistung Schuld! 

Was ist Demenz?


Formen der Demenz erkennenAls Demenz, oder korrekter als demenzielles Syndrom, bezeichnen Mediziner ein Krankheitsbild, das durch verschiedene degenerative Störungen und Einschränkungen geistiger Art gekennzeichnet ist. Betroffen sind dabei vor allem die sogenannten kognitiven Fähigkeiten, also Denken, Wahrnehmen und Erinnern. 

Demenz ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter. Weltweit gibt es geschätzte 45 Millionen Demenz-Patienten und jährlich kommen rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Die Wahrscheinlichkeit, an dieser Symptomatik zu erkranken, wächst zwar mit zunehmendem Alter.
 
Dennoch gibt es Menschen, die auch in jungen Jahren schon von dieser Krankheit betroffen sind. Man unterscheidet verschiedene Demenz Formen und Demenz Stadien. Welche dies sind und woran du sie erkennst, erfährst du hier. 

Formen


Die bekannteste Form der Demenz, die fälschlich oft als Synonym für alle Demenzarten verwendet wird, ist die Alzheimer Demenz- kurz Alzheimer genannt. Patienten, die an Alzheimer leiden, haben massive Probleme mit der Orientierung, dem Kurzzeitgedächtnis und dem logischen Denken.
 
Diese drei Defizite führen dazu, dass Alzheimer-Patienten ihrem Alltag früher oder später nicht mehr allein gewachsen sind. Auch das Urteilsvermögen geht bei dieser Form der Demenz mit der Zeit verloren. Einschätzungen, die jeder Gesunde im Alltag nebenher erledigt, können Erkrankte nicht mehr alleine treffen.
 
Häufig führt der geistige Abbau dazu, dass die Patienten bekannte Gesichter nicht mehr erkennen. Auch die nächsten Angehörigen können so im späten Stadium der Krankheit zu völlig Fremden werden. 

Eine weitere Form der Demenz ist die Vaskuläre Demenz. Auch sie geht mit Vergesslichkeit einher. Typisch für diese Form der Demenz sind zudem Wortfindungsprobleme, Sprachstörungen und Schwierigkeiten mit dem Sprachverständnis.
 
Betroffenen fallen bestimmte Begriffe des Alltagslebens nicht mehr ein. Oder sie erkennen nicht, welchen Verwendungszweck ein Alltagsgegenstand hat. Ein weiteres Anzeichen der Vaskulären Demenz sind neurologische Symptome, beispielsweise Auffälligkeiten im Gang. 

Ebenfalls als Form der Demenz bekannt, ist die Lewy-Body-Demenz. Typisches Anzeichen für diese Demenzart sind optische Halluzinationen. Die Patienten bilden sich ein, etwas zu sehen, was praktisch nicht vorhanden ist. Diese Halluzinationen können schon in frühen Phasen der Erkrankung auftreten und sich häufig wiederholen. Betroffene schildern diese Trugbilder oft erstaunlich lebhaft und mit vielen Details. 

Ein weiteres Kennzeichen der Lewy Body Demenz ist die wechselnde „Tagesform“ der Betroffenen. Vergleichsweise konzentrierte und aufmerksame Phasen wechseln sich mit verwirrteren oder in sich gekehrten Phasen ab.
 
Hinzu kommen körperliche Symptome, die an die Parkinsonkrankheit erinnern, beispielsweise Steifigkeit, erhöhte Muskelspannung und das Zittern der Hände. Auffällig ist auch eine deutliche Verlangsamung der Bewegungen. 

Ebenfalls als Spielart der Demenz bekannt, ist die Frontotemporale Demenz. Sie unterscheidet sich von den bisher genannten Demenz Formen insofern, als dass typische Symptome wie geistiger Abbau und Gedächtnislücken im frühen Stadium fehlen.
 
Patienten, die an Frontotemporaler Demenz leiden, fallen stattdessen eher durch eine veränderte Persönlichkeit auf. Erkennbar wird das an zwischenmenschlichen Problemen, die durch Aggressivität oder unangemessenes Verhalten der Betroffenen entstehen. Auch Teilnahmslosigkeit, persönliche Verwahrlosung oder übermäßiges Essen können Anzeichen sein. 

Möglich sind auch Mischformen der Demenz. Sie weisen Symptome beider beteiligten Demenz Formen auf. Bekannt ist beispielsweise die Kombination aus Alzheimer Demenz und Vaskulärer Demenz. Alzheimer und Lewy-Body-Demenz sind ebenfalls als Mischform bekannt. Die speziellen Symptome können dabei variieren. 

Stadien


Die Stadien der Demenz werden auch als „umgekehrte Kindheitsentwicklung“ bezeichnet. Der Fachbegriff hierfür lautet „Retrogenese nach Reisberg“. Diese Umschreibung geht davon aus, dass Demenz-Patienten, speziell Betroffene der Alzheimer-Demenz, ihre geistigen Fähigkeiten in umgekehrter Reihenfolge abbauen, wie ebenjene Fähigkeiten in der Kindheit von gesund entwickelten Kindern erworben werden. Unabhängig von dieser Theorie werden die Demenz Stadien in drei Schweregrade unterteilt. 

• Leichte Demenz


Die leichte Demenz geht mit ersten geistigen Beeinträchtigungen einher. Die Gestaltung des Alltags fällt Betroffenen schwerer und tägliche Aufgaben werden immer unzureichender erfüllt. Dennoch ist ein selbstständiges Leben ohne dauerhafte Hilfspersonen trotz dieser ersten Hindernisse durchaus möglich. Betroffene leiden jedoch häufig unter Antriebsmangel, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression. 

• Mittelschwere Demenz


Die geistigen Fähigkeiten sind hier noch weiter abgebaut. Schwierige Aufgaben, die Vorausschau und Planung erfordern, werden nicht mehr vollständig erfüllt. Einfache Tätigkeiten hingegen können auch selbstständig noch gelingen.
 
Die Einschränkungen der mittelschweren Demenz sind bereits so schwerwiegend, dass ein eigenständiges Leben im Alltag nicht mehr dauerhaft ohne fremde Hilfe möglich ist. Ununterbrochene Betreuung oder gar Aufsicht brauchen die Betroffenen jedoch nicht. 

Häufige Begleiterscheinungen der mittelschweren Demenz sind Unruhezustände und aggressives Verhalten. Manche Patienten schreien unvermittelt oder „nesteln“ an Kleidung oder Gegenständen herum.
 
Typisch sind auch Störungen im Tag-Nacht-Rhythmus. Betroffene kommen nachts nicht zur Ruhe und leiden tagsüber an Müdigkeit. Ein Umstand, der das Zusammenleben mit dem Demenzpatienten für den Partner noch schwieriger macht. 

• Schwere Demenz


Die Betroffenen können sich bei schwerer Demenz nicht mehr äußern oder verständlich machen. Ein Gespräch ist nicht mehr möglich. Gleiches gilt für die Gestaltung des täglichen Lebens. Hier wird nun in allen Bereichen permanente Hilfe und Aufsicht gebraucht. Schreien, aggressives Verhalten, Unruhezustände und ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus kommen auch im letzten Stadium dieser Erkrankung vor. 

Alzheimer – woran erkenne ich diese Erkrankung?


Alzheimer Schriftzug auf einem DisplayDie häufigste und bekannteste Form der Demenz ist die Alzheimer Demenz. Diese ist oft im frühen Stadium schon erkennbar. Zumindest solltest du entsprechende Anzeichen ernst nehmen und deren Ursachen abklären lassen.
 
Nachfolgend neun Anzeichen der Früherkennung, die du als kleiner „Alzheimer Test“ bei dir selbst überprüfen kannst. 

1. Gedächtnislücken und Vergesslichkeit nehmen zu


Ein gewisser Grad an Vergesslichkeit ist in unserem hektischen Leben normal. Oft werden Namen oder Termine kurzzeitig vergessen, fallen uns aber später problemlos wieder ein. Bei Alzheimer ist das anders.
 
Hier leidet speziell das Kurzzeitgedächtnis insofern, als dass Betroffene beispielsweise vergessen, den Herd auszustellen. Auch Termine werden vollständig vergessen. Oder der Schlüssel ist plötzlich nicht mehr auffindbar, weil man versäumt hat, ihn an den richtigen Ort zu legen. 

Das Leben wird häufig durch unzählige Haftnotizen organisiert. An tägliche Routinen muss man sich selbst immer wieder mit Hilfsmitteln erinnern. Eine Strategie, die oft mehr schlecht als recht gelingt – früher oder später aber doch im Durcheinander endet. 

2. Planung und Problemlösung fallen schwer


Jeder ist leicht abgelenkt oder zerstreut, wenn mehrere Dinge gleichzeitig erledigt werden sollen. 
Obacht ist allerdings geboten, wenn Handlungen, die sonst problemlos bewältigt wurden, auf einmal schwererfallen und länger dauern.
 
Das Kochen oder Backen nach gewohntem Rezept kostet höchste Konzentration? Der Umgang mit Zahlen macht mehr Mühe als sonst? Die Spielregeln des altbekannten Kartenspiels fallen dir nicht mehr ein? Dies könnten tatsächlich erste Anzeichen für geistigen Abbau sein, der auf beginnende Demenz zurückzuführen ist. 

3. Räumliche und zeitliche Orientierung sind gestört


Wir alle irren uns mal im Wochentag oder wissen das aktuelle Datum nicht spontan. Auch nach einem Nickerchen müssen wir uns möglicherweise erst über die Tageszeit orientieren. Schwierig wird es allerdings, wenn man nicht mehr weiß, welches Jahr wir gerade haben.
 
Wenn aktuelle Wochentage, Monate oder Jahreszeiten nicht mehr bewusst wahrgenommen und als zeitliche Orientierung verwendet werden, ist das ein eindeutiges Anzeichen für Demenz.
 
Demente haben zudem Schwierigkeiten beim Lesen der Uhr. Auch der Heimweg oder andere altbekannte Strecken werden plötzlich nicht mehr als vertraut erkannt. 

4. Die Wahrnehmung des Alltags ist eingeschränkt


Die Wahrnehmung kann aufgrund nachlassender Sehkraft gestört sein. Das ist im Alter völlig normal. Ein Anzeichen von Demenz ist es hingegen, wenn Betroffene Farben und Bilder nicht mehr erkennen. Räumliche Dimensionen werden nicht mehr erfasst. Auch das Erkennen vertrauter Gesichter fällt schwer. 

5. Sprachvermögen und Kommunikationsfähigkeit gehen zurück


Kennzeichen und wichtigster Teil des menschlichen Zusammenlebens ist die Kommunikation. Gerade diese Fähigkeit geht Demenzpatienten mit der Zeit vollkommen verloren. Eine normale Alterserscheinung wäre es beispielsweise, ab und zu nach dem passenden Wort zu suchen, das einem momentan gerade fehlt.
 
Das Gespräch mit einem Dementen hingegen ist dadurch gekennzeichnet, dass Betroffene vollkommen den Faden verlieren. Unpassende Wörter werden benutzt. Häufig werden Inhalte und Floskeln wiederholt. 

6. Gegenstände werden verlegt


Der Hausschlüssel, das Handy, die Geldbörse: Bestimmte Dinge brauchen wir mehrmals am Tag – und müssen doch ab und zu erst suchen. Steckt der Schlüssel in der Tasche oder hängt er am Schlüsselbrett? Gewöhnlich findet sich der gesuchte Gegenstand leidlich schnell und an einem einleuchtend erscheinenden Platz.
 
Alzheimer hingegen ist dadurch erkennbar, dass Betroffene Gegenstände eben völlig planlos ablegen, da sie den Schlüssel beispielsweise nicht mehr mit dem Schlüsselbrett in Verbindung bringen. Der Schlüssel kann auch im Kühlschrank landen, weil keine logische Verknüpfung mehr zwischen Gegenstand und sinnvollem Ablageort besteht. 

7. Das Urteilsvermögen ist eingeschränkt


Das Leben ist eine Kette ständiger Entscheidungen. Jeder Mensch muss täglich unzählige Entscheidungen treffen. Oft sind die Anlässe so simpel, dass man den Prozess des Entscheidens gar nicht bemerkt. Wir nehmen automatisch angemessene Kleidung aus dem Schrank oder führen die Zahnbürste zum Mund.
 
Bei Demenzkranken ist das anders. Bei ihnen kann es passieren, dass sie im Schlafanzug das Haus verlassen wollen. 

8. Rückzug vom sozialen Leben


Die Betroffenen stellen früher oder später fest, dass etwas „nicht stimmt“. Sie bemerken, dass ihnen das Zurechtfinden in der Welt immer schlechter gelingt und ziehen sich zurück. Hobbys werden vernachlässigt, das Interesse an Aktivitäten geht generell zurück. 

9. Änderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens


Typisch für Demenzkranke ist es, dass sie ohne Grund starkes Misstrauen entwickeln. Einstmals liebenswürdige, ruhige Menschen können unter dem Einfluss der Demenz zu aggressiven, unduldsamen, aufbrausenden Zeitgenossen werden.
 
Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Unbehagen in bestimmten Situationen oder Räumen sind als Begleiterscheinungen ebenfalls bekannt. 

Im Zweifelsfall zum Arzt!


Das Denkvermögen, speziell das Kurzzeitgedächtnis, büßt im Alter an Leistungsfähigkeit ein. Das ist vollkommen normal und trifft früher oder später jeden von uns. Solltest du allerdings beim Lesen dieses Artikels festgestellt haben, dass mehrere der genannten Frühwarnzeichen bei dir zutreffen, dann mache zur Sicherheit einen Termin beim Arzt! 

Der Hausarzt ist hier der erste Ansprechpartner für dich. Er wird einen Alzheimer Test und verschiedene Untersuchungen durchführen, die dir Klarheit geben. In vielen Fällen wirkt sich ein frühzeitiger Behandlungsbeginn günstig auf den Verlauf der Krankheit aus!

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